Die Ortsnamen PDF Drucken
Geschrieben von: Bernd   

Die mittelalterlichen Formen der Dorfnamen lassen oft noch erkennen, welche Bedeutung der jeweilige Name hatte. Hilfreich ist dabei, dass für die „altsächsische“ oder „altniederdeutsche“ Sprache, die im frühen Mittelalter hier gesprochen wurde, ein längerer Text überliefert ist: der Hêliand. Dabei handelt es sich um eine freie Nachdichtung des neuen Testaments, in der Jesus etwas gewöhnungsbedürftig als eine Art germanischer adeliger Gefolgschaftsführer dargestellt wird, der von einer palästinensischen Burg zur nächsten zieht. Auch für das spätere Mittelniederdeutsch, das zur Hansezeit Verwaltungs-, Dichtungs- und Verkehrssprache von ganz Norddeutschland war, sind viele Urkunden und Dichtungen überliefert, die sprachliche Rückschlüsse auf frühere Zeiten erlauben. Häufig findet man dabei Wörter, die im heutigen Niederdeutschen nicht mehr gebräuchlich sind, außerdem haben sich viele Ortsnamen im Lauf der Zeit verschliffen (d. h. es wurden Silben verschluckt und abgeschwächt) und auf andere Weise verändert als die „normale“ Sprache, weswegen ihre Bedeutung heute in der Regel nicht mehr erkennbar ist und oft auch nicht mehr eindeutig erschlossen werden kann.

Wie dem auch sein – soweit man das heute rekonstruieren kann, gehen die meisten Ortsnamen auf Personennamen, also wohl die Namen der jeweiligen Ortsgründer zurück, wobei hier meistens Kurzformen zugrunde liegen (also „Ekki“ statt „Ekkehard“ oder „Magel“ statt „Magbald“ usw.). Die zweite große Gruppe von Ortsnamen bezieht sich auf bestimmte geografische Besonderheiten wie Wald, Abhänge, Gewässer, bestimmte Pflanzen, Tiere usw. Beides gilt natürlich auch für die Namen der ehemaligen Dorfgemeinden und Ortsteile, aus denen das heutige Hilgermissen besteht.

 

Alvesen

Zuerst belegt 1230 als Alverkessen, dann 1352 als Alvericksen.

Zugrunde liegen dürfte der Personenname Alverik (hochdeutsch Alberich, der Zwerg aus der Nibelungensage), an den sich ursprünglich ein -husen oder -heem („Heim“) anschloss.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/die-ortsnamen-des-kirchspiels-magelsen#Alvesen]

 

Boyen (Oberboyen/Niederboyen)

Zuerst belegt 1259 als Buin, später als Nortbogene, Overen Buyen usw.

Hier gibt der Name einfach die Lage des Ortes wieder, nämlich am „oberen Bogen“ und am „niederen Bogen“. Wie bei Hoya (früher Hogen), Wehye (früher Wege) und Dreye (früher Dreige) ist aus unbekannten Gründen ein gesprochenes g im Lauf der Zeit zu j (geschrieben als „y“) geworden.

 

Dahlhausen

Zuerst belegt 1230 als Dalnhusen.

Herkunft entweder von einem Personennamen Dalbert (mit Kurzform Dalo), einem verschliffenen Familiennamen Daling oder altsächsisch dal = „Tal“ (daraus dalun = „im Tal“ und Dalunhusen = „Siedlung im Tal“). Besonders talartig eingeschnitten ist der Weserlauf hier natürlich nicht, weswegen wohl eher der Personenname in Frage kommt.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/die-ortsnamen-des-kirchspiels-magelsen#Dahlhausen]

 

Eitzendorf

Zum ersten Mal 1124 als Etzendorpe, dann um 1250 als Etziendorp belegt.

Herkunft entweder von einem Personennamen wie Eggihard, Ekkibrecht (Bedeutung dann „Ekkis Dorf“) oder von altsächsisch eke = Eiche (also „Eichendorf“). Den Wandel von k/g nach tz gibt es im Mittelalter auch bei Celle (aus Kellu, Kiellu), Itzehoe (aus Ekeho, „Eichenwald“) oder Ritzenbergen (aus Rikinburgi), er hat sich auf die normale Sprache nicht ausgewirkt und wird als „Zetazismus“ bezeichnet. Die Ursache ist ebenso unklar wie beim Wechsel von g zu j (siehe oben).
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Eitzendorf]

 

Fredelake

Erst 1616 als Fredelacke belegt.

Herkunft wahrscheinlich von mittelniederdeutsch lake = „Lache, Tümpel“ und frede = „Einfriedigung“, also dürfte hier früher ein kleiner Tümpel gelegen haben, der vielleicht irgendwie eingefriedet war (z. B. mit einer Hecke).

 

Heesen

Zuerst ca. 1260 als Hesen belegt.

Herkunft wahrscheinlich von mittelniederdeutsch hese = „Buschwald“, das -en dürfte eine Verschleifung von -husen oder -heem („Heim“) darstellen. Heesen ist also „Die Siedlung im Buschwald“.

 

Hingste

Zuerst 1368 als Hinxste belegt.

Hier lässt sich trefflich spekulieren: Der Name könnte mit altsächsisch hingst = „Hengst“ zu tun haben, aber auch mit einem entsprechenden Personennamen wie etwa Hengist (König der Angelsachsen) oder Hincke (Kurzform von Hinrik), das -ste dürfte eine Verschleifung von -sete = „Sitz“ sein. Die Bedeutung wäre also „Wohnsitz an der Hengstweide“ oder „Wohnsitz des Hengist/Heinrich“.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Hingste]

 

Hilgermissen

Zuerst 1234 als Hilgerrmiszen belegt.

In der Schule wurde uns eine nette Sage erzählt, dass hier Mönche in einem untergegangenen Kloster „heilige Messen“ abgehalten hätten, was aber eher ins Reich der Fantasy gehört. Das Grundwort -missen ist wahrscheinlich eine Abschwächung des altsächsischen *mussian = „Sumpf, Sumpfwald“, Hilger dürfte eine Verschleifung von Hildeger (die altsächsische Form eines männlichen Vornamens, den es heute noch vereinzelt als „Hilger“ gibt) oder Hildegrim darstellen. Die Bedeutung wäre also „Die Siedlung bei Hilgers/Hildes Sumpfwäldchen“. Möglich ist auch eine Verschleifung von Hildegrimshusen, sodass der Sumpf keine Rolle spielen würde, die Ortsgründerin aber auf jeden Fall Hilde geheißen hätte.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Hilgermissen]

 

Magelsen

Zuerst wahrscheinlich 935 als Magulun erwähnt, sicher dann 1124 als Magelissin.

Der Name dürfte auf einen Personennamen wie Magbald oder Magelfred zurückgehen, deren erster Teil wiederum soviel wie „mächtig, stark“ bedeutete. Da allerdings Kirchen häufig an Stellen errichtet wurden, die bereits vorher als heidnische Kultstätten gedient hatten, kommt auch eine Erklärung wie „Ort der Mächtigen“ in Frage, wenn damit die hier angebeteten Götter gemeint waren. Das -en ist wie bei Alvesen und Heesen eine Verschleifung von -husen oder -heem.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/die-ortsnamen-des-kirchspiels-magelsen]

 

Mehringen

Zuerst 987 als Maringen belegt.

Das Grundwort -ingen bedeutet soviel wie „Wohnstätte der Sippe von XY“ (wobei „XY“ ein Personenname ist), Mehringen könnte sich also von dem Personennamen Maro (Kurzform von Marbod usw.) herleiten und „Bei den Leuten des Maro“ bedeuten.

Eine andere Erklärung würde von urgermanisch *mari = „Sumpf, Weiher, Pfuhl, Lache“ oder mar, friesisch für „Wassergraben“ ausgehen, sodass der Ort „Bei den Sumpfleuten“ oder „Bei den Leuten vom Wassergraben“ hieße. Eine weitere Möglichkeit wäre die Interpretation von -ing als Verkleinerungsform (so ist etwa Henning eine Verkleinerungsform von Heinrich), der Name würde also „Beim kleinen Weiher“ bedeuten, was ja wegen der zahlreichen Altarme und Kolke in unserer Gegend nicht überraschend wäre. Dann gibt es allerdings auch noch altsächsisch marah = „Pferd, Mähre“, sodass Mehringen auch „Bei den Pferdeleuten“ bedeuten könnte.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Mehringen]

 

Obernhude

Zuerst im 13. Jahrhundert als Evekenhuthe belegt.

Eweke ist einer mittelniederdeutsche Kurzform von Eberhardt, zusammen mit hude = „Hüteplatz, Weise“ ergibt sich die Bedeutung „Eberhardts Weide“. Ein paar Kilometer flussabwärts liegt ein Ort gleichen Namens, sodass die Unterscheidung in Obernhude und Neddernhude nötig wurde.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/die-ortsnamen-des-kirchspiels-magelsen#Obernhude]

 

Schierholz

Bedeutung vermutlich von mittelniederdeutsch schier = „rein, klar, hell, weiß“, also „lichtes Gehölz“ oder „Weißholz“ – hier könnten z. B. auffällig viele Birken gestanden haben.

 

Ubbendorf

Zuerst 1193 als Ubbenthorpe erwähnt (das th sprach man damals übrigens noch wie heute im Englischen).

Herkunft wahrscheinlich vom Personennamen Ubbo, einer im Mittelalter in Norddeutschland und vor allem Friesland weit verbreiteten Kurzform des Namens Ubald bzw. Hugbald („Der mit dem kühnen Sinn“). Die Bedeutung wäre also „Dorf des Ubbo“.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Ubbendorf]

 

Wechold

Zuerst 1179 als Wechlede erwähnt, im Mittelalter Sitz des Adelsgeschlechts derer von Wechelde.

Die ursprüngliche Form dürfte *Wechelede gewesen sein. Niederdeutsch Wech = „Weg“ dürfte nicht in Frage kommen, da g am Silbenende erst ab dem 15./16. Jahrhundert als ch gesprochen wurde, aus welcher Zeit auch die von verschiedenen Seiten fälschlicherweise als Erklärung vorgetragene „Wegleite“ stammt. Das häufig in sehr alten Ortsnamen vorkommende -ede wird meistens als „Flur“ gedeutet, möglich ist auch eine Herleitung von altsächsisch lede = „Graben“. Das Grundwort könnte von wichel = mittelniederdeutsch „Weidenbaum“ oder Wechel = „Kalmus, Sumpfplanze“ herrühren. Der Kalmus ist zwar auch erst seit ein paar Jahrhunderten in Deutschland heimisch, aber vielleicht hat man früher ja eine andere Röhrichtart so bezeichnet. Wechold wäre also der „Röhrichtgraben“ oder „der Ort, wo es viel Röhricht gibt“. Man stochert hier einigermaßen im Dunkeln, was nahelegt, dass dieser Ortsname älter ist als die anderen und wir die wirkliche Bedeutung auch mit viel Scharfsinn nicht mehr erraten können.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Wechold]

 

Wienbergen

Zuerst 1179 als Winberge belegt.

Eine harte Nuss für jeden Ortsnamenforscher: Ein Weinanbau kommt hier an der Mittelweser wohl eher nicht in Frage, und wie man den Bohrprofilen des Landesamts für Bodenkunde entnehmen kann, verbirgt sich hier nicht einmal eine kleine Aufwerfung der Niederterasse unter dem Auenlehm (wie etwa bei Hutbergen), von „Weinbergen“ also weit und breit keine Spur. Für Win- bietet sich eine Verschleifung von niederdeutsch Wiehe = „Weidenbaum, Weide, Weihe (der Raubvogel)“ oder etwas weiter hergeholt altsächsisch wīhian = „weihen“ an. Das -bergen steht vielleicht in Verbindung mit „bergen“, also einem Schutzort oder einer „Burg“ als befestigten Adelshof, man vergleiche etwa das ähnlich gelegene Ritzenbergen, bei dem die Endung 935 als -burgi überliefert ist.
[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#Wienbergen]

 

Wührden

Zuerst 1340 als Wurden belegt.

Herkunft mit ziemlicher Sicherheit von mittelniederdeutsch wurt, wort, wurde, worde = „ein abgesondertes Stück Land, worauf ein Hof mit seinen Nebengebäuden steht“. Dies ist bereits die Bedeutung, da der Wührden ja von alters her ein auffällig großer Einzelhof war.

[siehe auch -> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land#W%C3%BChrden]

 

Mehr zu den hiesigen Ortsnamen findet Ihr auf meiner Homepage:
--> http://wittmersloh.de/ortsnamen-im-hoyaer-land
--> http://wittmersloh.de/die-ortsnamen-des-kirchspiels-magelsen

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